Agapefeier am Gründonnerstagabend 2026 in St. Antonius-Hohenheim
In der Pfarrei St. Antonius-Hohenheim gab es in diesem Jahr an den drei heiligen Tagen von Gründonnerstag bis Ostermorgen (Triduum) priesterlose Gottesdienste.
Das fünfköpfige Team des Pastoralausschusses gestaltete die drei Gottesdienste am Gründonnerstagabend (Abendmahls-erinnerung), am Karfreitag und die Auferstehungsfeier am Ostermorgen.
Am Gründonnerstagabend wurde erstmals in der Kirche eine Agapefeier abgehalten und kam sehr gut bei den Gottesdienstteilnehmenden an.
Was ist ein Agapemahl?
Das Wort „Agape“ ist griechisch und bedeutet „Liebe, Hingabe“. Die Feier der Agape ist eine liturgische Form, die in besonderer Weise Glaube und Alltag verbindet. Seit einiger Zeit erfreut sich die Agapefeier zunehmender Beliebtheit als eine Gottesdienstform, die ohne Priester gefeiert werden kann. In der Alten Kirche war die Feier der Agape ein wichtiger und selbstverständlicher Teil des Gemeindelebens. Als Liebesmahl war sie ein richtiges Sättigungsmahl, bei dem die Bedürftigen und Notleidenden unterstützt wurden und die Gemeinschaft untereinander gepflegt wurde. Wahrscheinlich wurde im Anschluss an die Agape Eucharistie gefeiert. Nach und nach wurde sie aus dem kirchlichen Gemeindeleben verdrängt und ist erst in heutiger Zeit wiederbelebt worden.
Wir feierten unsere Agape mit Gebeten, Liedern, Schriftlesungen vom Tag und dem Brechen des Brotes als Mahl der Gemeinschaft untereinander, als Erinnerung an das Abendmahl Jesu – nach dem Johannesevangelium verstanden als Liebesmahl – und in der Gemeinschaft mit Jesus Christus.
Vorbereitung der Agape
Da wir noch nie eine Agapefeier als Gottesdienstform in der Kirche gehalten hatten, wussten wir im Leitungsteam nicht, mit wievielen Teilnehmenden wir rechnen konnten. Wir schätzten 30, bereiteten aber für 60 vor. Es kamen 80! Wir mussten noch Tische und Stühle sowie Gedecke einfügen.
Vorbereitet waren im Kreis stehende, weiß gedeckte Tische mit Kerzen, Blumen, Tellern und Gläsern, Wasser, Saft und Olivenöl, dazu eine orientalische Kräutermischung. In der Sakristei waren vorbereitet Wein und Brot. Sie wurden erst während des Mahles aufgetragen.
Ablauf der Agape
Passende Lieder und verbindende Worte führten durch die Agape-Feier. Geleitet wurde die Feier von Diakon Thomas Leopold und den Pastoralausschussmitgliedern Monika Elias, Anneliese Hecht, Stefanie Kaiser und Odilo Metzler.
Nach dem Eingangslied und Gebet und Friedensgruß lernten sich die Menschen an den Tischen kennen. Anschließend wurde als erste Lesung die Erzählung von der Vorbereitung des letzten Mahles Jesu, Mt 26,17-19, vorgetragen. Darauf wurden Brot und Wein unter Gesang hereingetragen und auf die Tische verteilt. Es folgte der Vortrag des ältesten Berichtes von Jesu Abendmahl, 1 Kor 11,23-26, und eine kurze Erläuterung von dessen vier Elementen: des Rahmens vom Tod Jesu, des Zeichens vom gebrochenen Brot als Hingabe, von Gottes Neuem Bund, vergegenwärtigt im Wein, und die Vorläufigkeit des Mahles, bis Jesus wiederkommt.
Der Segen über Brot und Wein wurde an den Tischen gesprochen und dann das Brot gebrochen und ausgeteilt, ebenso wurden der Wein bzw. Wasser oder Saft je nach Wunsch eingeschenkt.
An den Tischen fanden lebhafte Gespräche statt. Mahlgemeinschaft war deutlich zu spüren.
Schließlich folgte der zweite Teil der Agape-Feier. Vorbild dafür war das antike Gastmahl als Symposion, bei dem nach der Sättigung inhaltliche Themen besprochen wurden. In ähnlicher Weise schildern der Evangelist Lukas (vgl. Lk 22,2438) und vor allem Johannes das letzte Abendmahl Jesu (Joh 13,21-17,26); dort gibt es lange Abschiedsreden Jesu. Vor allem aber ist bei Johannes der Gedanke der Agape – des Liebesmahles – sehr ausgeprägt. So wurde als Evangelium ein Ausschnitt aus seiner Mahlerzählung und aus den anschließenden Reden vorgetragen (Joh 13,1-5.12-15;15,9-15.1): die Eingangs-Deutung des Mahles als Zeichen höchster Liebe Jesu, die Fußwaschung als Zeichen, sein Zuspruch an die Menschen um ihn als Freunde, nicht Knechte und die Aufforderung, ebenso miteinander umzugehen. Darüber tauschten sich im Anschluss an das Hören des Textes die Teilnehmenden im Bibelgespräch an ihren jeweiligen Tischen aus.
Anhand von drei Impulsfragen wurde gesprochen über Erfahrungen der Liebe im Leben, über Jesu Freundschaft und Liebe zu uns und was uns selbst das bedeutet. Es waren sehr dichte Gespräche, die danach als „berührend“ charakterisiert werden.
Es fügten sich freie Dank- und Fürbitt-Sätze der Teilnehmenden an. Abgeschlossen wurden sie durch das gemeinsame Vaterunser.
Nach der Ankündigung des abschließenden Liedes („Bleibet hier und wachet mit mir“) wurde in Stille alles von den Tischen abgetragen. Wer wollte, konnte noch in der Kirche beten, die anderen gingen leise oder halfen mit, alles wegzuräumen.
Rückmeldungen
Viele sagen im Nachgang, dass sie die Feier ganz erfüllt habe und dass sie es als sehr dicht und in sehr guter Gebetsatmosphäre, aber auch tiefer gegenseitiger Verbundenheit erlebt haben. Das Abendmahl Jesu sei ihnen nahe gegangen, aber eben auch das Miteinandersein in Jesu Namen. Und sie möchten unbedingt wieder Agape miteinander feiern.
Anneliee Hecht mit Team